Interview mit Christiane Werk

Ich freue mich sehr euch heute meine Namesvetterin Christiane vorzustellen. Viele werden sie aus Sword Art Online kennen, dort spricht sie die kleine Yui, oder in Fate/Zero spricht sie Rin.

 

Christiane war so lieb, und hat mir einige Fragen beantwortet. Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Interview.

1. Wie sind Sie zur Synchronisation gekommen?

Ich habe neben meiner privaten Schauspielausbildung zuerst Werbung gesprochen und hatte hier den einen oder anderen kleinen Job. Dann ging ich 2008 nach Hamburg, um dort mein journalistisches Volontariat zu machen. Ich wollte gern noch ein weiteres Standbein haben. Dort kam ich über ein paar Ecken zu einem Tonstudio, in dem ich eine Werbung einsprach. Und so lernte ich die Jungs dort kennen, die mich kurzerhand fragten, ob ich es auch mal mit Synchron probieren wollte, da sie begeistert von der Tatsache waren, dass ich eine sehr junge Stimme habe, die besonders für Anime und Zeichentrick gut geeignet ist. Gefragt – getan. Es lag mir direkt und ich hatte das große Glück, dass gerade ein Casting für die Hauptrollen einer Cartoon Network-Serie stattfand – Hero 108. Ich wurde auf „Jumpy Ghostface“ gecastet und bekam so direkt meine erste Hauptrolle – 26 Doppelfolgen. Das war harter Tobak für die allererste Rolle. Und dann auch noch in Charge mit Ninja-Lauten und ganz vielen Kampf-Szenen. Aber es hat geklappt und somit meisterte ich meine erste große Rolle. Dadurch folgten dann auch gleich zahlreiche weitere Serien, in denen ich Haupt- und Nebenrollen ergatterte und so immer sicherer und schneller wurde.

2. Übernehmen Sie alles, was ihnen an Text gegeben wird, oder können sie auch etwas von sich einbringen (falls ein Satz ihrer Meinung nach besser passt)?

Da ich auch selbst als Synchronautorin und Synchronregisseurin arbeite, sind viele Studios, mit denen ich zusammenarbeite, dankbar, wenn ich eine gute Idee habe und diese einbringe. Natürlich kann man am Mikro nicht einfach so Texte ändern und das Geschriebene übergehen. Aber man steht ja mit der  Regie in regem Dialog und tauscht sich aus. Wenn man während der Aufnahmen feststellt, dass an eine Stelle besser ein anderes Wort passen würde, der Satzbau anders schöner gesprochen klingt oder man die Länge ändern muss, überlegt man gemeinsam und entscheidet dann, inwieweit Texte dann noch modifiziert werden können.

3. Haben Sie eine „Lieblingssprechrolle“?

Ich mag YUI aus „Swort Art Online“ wahnsinnig gern. Einerseits spreche ich sie schon lange und kenne sie daher recht gut, andererseits ist sie einfach so niedlich und dabei so weise, dass ich es einfach entzückend finde. Ihr Charakter ist unheimlich schön gezeichnet, sie ist mir sehr sympathisch. Auch MATARO aus „Kill La Kill“ spreche ich extrem gerne, weil ich hier alles rauslassen kann, was ich sonst nie rauslassen würde. 😉 Er ist laut und „immer auf die Zwölf“. Es macht wahnsinnig viel Spaß, sich mit ihm am Mikro auszutoben. Aber auch Real-Filme spreche ich ausgesprochen gerne. Ich werde immer wieder auch für Jungen vor der Pubertät besetzt (z.B. in dem Film „Johnny“, in dem ich den gleichnamigen Hauptcharakter sprechen durfte, oder in dem Film „Mehr als Limonade – The Secrets of Jonathan Sperry“, in dem ich die Hauptrolle „Dustin“ gesprochen habe) und empfinde es jedes Mal als sehr spannend, in neue Rollen schlüpfen zu dürfen. In „Johnny“ war meine Figur (JOHNNY) leukämiekrank – eine äußerst bewegende Rolle, denn er stirbt am Ende. Solche Szenen mit der Stimme zu spielen, wo ein kleiner Junge an einer so schweren Krankheit leidet und stirbt, geht mir schon sehr nah. Das bleibt nicht in den Kleidern stecken, wie man so schön sagt. Das ist das Tolle an meinem Beruf – es gibt unzählige und so verschiedenen Rollen, die – jede für sich – etwas Besonderes ist.

4. Haben Sie eine der Schauspielerinnen, den Sie sychronisieren, schon einmal getroffen?

Nein, bisher leider noch nicht. 😉

5. Sind Sie für eine Schauspielerin eine feste Synchronsprecherin oder wird das für jeden Film/jede Serie neu entschieden?

Ich habe feste Rollen, ja. Aber für eine spezielle Schauspielerin bin ich keine Feststimme. Außer bei den Hollywood-Stars wird es zumeist immer neu entschieden, wer welchen Schauspieler/welche Schauspielerin sprechen darf. Das sehe ich auch an den Filmen und Serien, die ich schreibe und
bei denen ich Regie führe und Sprecher vorschlage, bzw. besetze. Manchmal werden auch aus organisatorischen Gründen (lange Anfahrten etc.) andere Sprecher gewählt, auch, wenn ein  Schauspieler/eine Schauspielerin schon häufiger von einem Sprecher/einer Sprecherin gesprochen wurde.

6. Schauen Sie sich die Serien bzw. Filme an, in denen Sie Sprechrollen haben?

Dafür fehlt mir in den meisten Fällen die Zeit. Aber wenn ich zufällig mal den Fernseher anhabe und mich dort höre, schalte ich natürlich nicht weg…;) Ich freue mich aber immer, wenn die Studios Bescheid sagen, wann was wo läuft und ich sogar mal die eine oder andere Szene bekomme, in
der ich dabei bin. 🙂

7. Wenn Sie für eine Episode/einen Film sprechen, können sie die Episode dann schon vor allen anderen sehen oder dürfen Sie nur ihre eigenen Ausschnitte sehen?

Das ist fast nie möglich. In Ausnahmefällen geht das schon (z.B. wenn großer Zeitdruck da ist und man sich schon im Vorhinein auf die Rolle vorbereiten möchte), aber in den meisten Fällen weiß man oft nicht mal, was und wen genau man spricht. Man kommt ins Studio, bekommt eine kleine Inhaltsangabe des Films oder der Serie erzählt (oder man kann sie lesen), bekommt 3-4 Takes der Rolle vorgespielt, die man spricht, um in etwa zu sehen, wie sie angelegt ist, und dann geht’s schon los. 😉
Deswegen ist es eine so große Herausforderung, Synchronsprecher zu sein. Dieser Beruf unterscheidet sich von allen anderen, die mit dem Sprechen zu tun haben, extrem. Nirgendwo sonst muss man so direkt in der Lage sein, seine Rolle und den Charakter derselben binnen so kurzer und knapper Momente zu erfassen. Man bekommt ein paar Takes gezeigt und schon muss man – ohne weitere Details zu kennen – den Charakter verstanden haben und ihn spielen können.

8. Sprechen Sie eine Szene mit allen Beteiligten komplett nach oder wird jeder Charakter einzeln aufgenommen? Sprich, sehen Sie sich eigentlich bei der Arbeit oder macht das jeder für sich?

Abgesehen von Ensemble-Aufnahmen (auch als „Menge/Masse“ bezeichnet) wird jeder Charakter einzeln aufgenommen. Manchmal läuft man sich im Studio natürlich über den Weg, aber das ist dann eher Zufall, weil man eben zufälligerweise zu ähnlichen Zeiten gebucht wurde. Man gibt sich im Studio quasi die Klinke in die Hand.

9. Auf welche Dinge muss man achten, wenn die Synchronisation aufgenommen wird?

Auf alles. 😉 Ganz wichtig ist: IMMER PÜNKTLICH SEIN! Es hängen so viele Menschen an und in einer Produktion und wenn da einer nicht funktioniert, fällt alles wie ein Kartenhaus zusammen und wirft die
komplette Planung über den Haufen. Auch wichtig: Nie etwas tragen, das Geräusche macht. Keine klappernden Ohrringe, keine quietschenden Schuhe, keine knisternden Oberteile und so weiter. Dann
ist es extrem wichtig, dass man von der ersten Sekunde an, in der man am Mikro steht, voll und ganz da ist. Konzentriert, ausgeschlafen, gut gelaunt, alle Ego-Sachen und Eitelkeiten bitte draußen lassen. Auch ist es wichtig, dass man sich die Zusammenhänge im Buch durchliest, sprich, nicht nur seine eigenen Takes lesen, sondern auch, was davor und danach gesagt wird. Davon hängen sehr viele Betonungen ab. Außerdem sollte man dem Tonmeister immer gleich mal eine Stimmprobe geben, d.h. man liest und probt seine ersten Takes schon mal, bis es losgeht. Und dann sollte man während der ganzen Aufnahmen konzentriert bei der Sache sein. Was ich aus Regie-Sicht noch sagen kann: NICHT DISKUTIEREN! Wenn der Tonmeister, der Cutter oder die Regie einen Take noch mal brauchen,
sollte der Sprecher nicht diskutieren, wieso er den Take gerade schon gut fand. Das ist uninteressant. Die eben genannten Instanzen denken sich in den meisten Fällen etwas dabei, wenn sie eine Ansage machen.
Auch irgendwelche persönlichen Befindlichkeiten haben vor dem Mikro nichts verloren. Man sollte nicht mit Hunger oder Durst ins Studio kommen. Vorher etwas essen, das den Magen nicht auf Hochtouren bringt, denn wenn der Bauch grummelt, hört man das auf der Aufnahme. Ebenso keinen Kaffee vorher trinken, denn der sorgt gerne für Schmatzen. 😉
Stilles Wasser, Ingwertee, ungesüßten Tee sind die Getränke, die sich eignen. Als Sprecher ist in JEDER Hinsicht absolute Professionalität gefragt, daher ist ein Sprecher auch dafür verantwortlich, gut für sich
und seinen Körper, sein Instrument, zu sorgen. Also ist eine gesunde Lebensweise unerlässlich.

10. Sie werden ja auch auf der Animagic sein. Wird es wieder ein tolles Special zu SAO geben?

Dazu kann und darf ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen…;) Aber was ich sagen kann: Es wird definitiv Spannung, Spaß und Unterhaltung geben…;) Und es lohnt sich für alle Fans, dabei zu sein…;) Freut Euch drauf! Ich freu’ mich auch schon..

11. Würden Sie gerne ganz in die Schauspielerei wechseln?

Letztes Jahr hatte ich das große Glück, in einem wundervollen Spielfilm („Nur ein Tanz“) die weibliche Hauptrolle spielen zu dürfen. Das war und ist fantastisch und ich bin sehr glücklich darüber. Solche tollen Drehs gibt es natürlich nicht immer und wenn man sich das Deutsche Fernsehen mal so anschaut, muss ich sagen, dass ich nicht ausschließlich Schauspielerin sein möchte. Denn dann ist man darauf angewiesen, nahezu alles „mitmachen“ zu müssen. Das würde ich nicht wollen. Außerdem wäre es mir auch zu einseitig. Ich liebe mein Leben und das, was ich mache, genauso, wie es ist. Es ist fabelhaft, so viel Abwechslung zu haben und davon leben zu können. Dafür bin ich außerordentlich dankbar. Auch die Tatsache, dass ich selbst auch schreibe und Regie führe, hilft mir sehr.
Als Sprecher kann ich mich so immer gut in die Regie hineinversetzen und umgekehrt. Es ist eine perfekte Ergänzung und Symbiose. Auch für das Schauspiel ist das eine große Hilfe. Denn auch da ist die Stimme sehr wichtig, genau wie das Verstehen des Regisseurs.

12. Was steht bei Ihnen als nächstes an? Beruflich? Privat (wenn man fragen darf)?

Beruflich stehen sehr viele tolle Projekte an. Es geht weiter mit SAO und anderen tollen Animes. In Kürze führe ich dann Regie bei den Aufnahmen der 2. Staffel von „Mister Bean“, für die ich im nächsten Block dann auch weitere Synchronbücher schreiben werde. Außerdem ist gerade die Vollversion zu dem wunderschönen Adventure Game „The Perils of Man“ auf den Markt gekommen, in dem ich die Ehre hatte, der Hauptfigur Ana Eberling meine Stimme zu leihen. Produziert wurde dieses tolle Spiel
übrigens bei Planet Voice. Bei „The Perils of Man“ wird man entführt an zahlreiche, liebevoll gestaltete Schauplätze und darf detektivisch kombinieren, was das Zeug hält. Bei einer Spieldauer von rund 8 bis 10 Stunden in toller 3D-Optik wird es garantiert nicht langweilig. 😉 Es lohnt sich, mal in den App-Store zu schauen… Auch privat gibt es eine sehr freudige Nachricht: Dieses Jahr im Oktober darf ich den Mann meines Lebens heiraten, nachdem er mir im Januar in Boston einen unbeschreiblichen und atemberaubenden Heiratsantrag gemacht hat. 🙂

13. Werden Sie an Ihrer Stimme auch im Real Live erkannt?

Eher nicht, da ich sehr viele Rollen in Charge spreche und die Stimme über das Mikro auch immer noch mal anders klingt als „normal“.

14. Wie identifizieren Sie sich mit Ihrer Rolle in SAO?

Ich finde in YUI immer wieder kleine Parallelen zu mir als Kind. Manchmal denke ich „Unglaublich, so habe ich auch mal mit meinen Eltern geredet und sie waren völlig perplex, dass ich als Kind manche Sachen so wiedergeben konnte und verstanden habe“. YUI hat – wie oben ja schon erwähnt – eine äußerst berührende kindliche Weisheit, die aber gepaart ist mit einer sehr empathischen und erwachsenen Seite. Auch etwas, das mich zum Teil ein bisschen an mich als Kind erinnert.

15. Ist es Schwierig, die Stimmung von Yui einzufangen und wiederzugeben? Wie Lange haben sie gebraucht um sich in sie hineinzuversetzen?

Nein, es fällt mir im Prinzip recht leicht, mich in YUI hineinzuversetzen. Vor allem, weil ich sie ja auch schon länger kenne und spreche. Und aus den in der Frage zuvor geschilderten Gründen liegt mir ihr Charakter einfach und es fällt mir relativ leicht, sie zu spielen.