Interview mit Franziska Erhard

Hallo Franziska, wärst du so lieb und würdest dich den Lesern einmal vorstellen?

Gerne. Ich heiße Franziska Erhard, bin verheiratet, habe einen Sohn und eine Tochter, und ich schreibe seit 2015 Bücher. Ich bin spontan, lache gerne (auch über mich selbst), bin aufgeschlossen und kommunikativ, impulsiv, rede meist erst und denke dann nach, habe eine Vorliebe für Listen, und halte mich gerne für recht cool.

Was hat deine Familie dazu gesagt, dass du schreibst? Hat sie dich unterstützt?

Mein Mann hat großartig reagiert. Ich war zu der Zeit wieder auf Jobsuche, und wir haben darüber geredet, dass ich es ernsthaft versuchen will, als Autorin zu arbeiten. Wir haben diskutiert, ob ich unter meinem echten Namen veröffentliche oder ein Pseudonym wählen soll, und dann einen Deal geschlossen: ich probiere es ein Jahr, und wenn es nicht läuft, dann suche ich mir einen „normalen“ Job. Zum Glück hat sich das erledigt, und ich darf jeden Tag das machen, was mich richtig glücklich macht.

Meine Eltern waren erst skeptisch, weil sie sich nicht vorstellen konnten, dass Schreiben ein richtiger Beruf sein kann, zumal ich ja eine ganz fundierte Ausbildung und ein abgeschlossenes Ingenieurstudium habe. Aber sie waren stolz über jeden kleinen Schritt, und inzwischen ist es für sie ganz normal zu sagen: unsere Tochter schreibt Bücher. Auch meine Schwester hat mich immer motiviert und unterstützt.
Und die Kinder finden es richtig cool zu sagen, die Mama ist Autorin, und können sogar die ganzen Buchtitel herunterbeten.

Ich habe wirklich nur Rückhalt und Unterstützung bekommen, und dafür bin ich sehr dankbar.

Wann ist dein erstes Buch erschienen? Ist es in einem Verlag erschienen?

Mein erster Roman „Alles nur Ansichtssache ?!“ ist im Juli 2015 erschienen, also vor knapp zwei Jahren. Und wie alle meine Bücher habe ich ihn als Selfpublisherin veröffentlicht.

Wie lange hast du für deinen ersten Roman gebraucht? Von der Idee bis zur Veröffentlichung?

Die Geschichte hatte ich schon eine Weile im Kopf. Solange ich denken kann, habe ich irgendwelche Geschichten im Kopf, an denen ich rumbastel, die ich weiterspinne, ausbaue, aber eigentlich war das immer nur für mich. Die Idee, wirklich ein Buch daraus zu machen, hatte ich erst Ende 2014. Im Januar habe ich dann angefangen, und nach sechs Monaten schreiben und verbessern und feilen und zweifeln und wieder feilen war das Manuskript fertig.

Woher bekommst du deine Ideen? Beobachtest du die Menschen um dich rum und auf der Straße und sammelst so Ideen für deine Protagonisten?

Natürlich geht man mit ganz anderen Augen durch die Welt. Ich achte viel mehr auf Kleinigkeiten, einzelne Sätze. Manchmal höre ich etwas, oder lese einen Satz, und dann setzt das Kopfkino ein: Was könnte sich daraus entwickeln? Welche Szenarien wären vorstellbar. Ich hatte schon immer zu viel Fantasie, und ich neige seit jeher dazu, ganz alltägliche Situationen in jede mögliche Richtung auszuspinnen. Im echten Leben ist das übrigens nicht immer hilfreich.
Oft habe ich aber plötzlich auch einfach einen Protagonisten im Kopf. Ich lerne sie oder ihn kennen, wie einen echten Menschen, und warte ab, bis er oder sie mir ihre Geschichte erzählt.

Wo schreibst du?

Zu Hause, am Schreibtisch.

Wie dürfen wir uns Deinen Arbeitsplatz vorstellen? Wo schreibst Du am liebsten?

Recht unspektakulär. Ich kann nicht draußen auf der Terasse schreiben, oder irgendwo in einem Cafè. Ich brauche dazu immer die gleiche Umgebung, damit ich mich nicht ablenken lasse. Mein Tisch, mein Stuhl, mein Rechner.

Hörst du beim schreiben Musik? Oder muss es still um dich herum sein? Wenn ja, was ist deine Playlist?

Ich brauche Stille. Deshalb schreibe ich am besten Morgens, wenn die Kinder in der Schule sind. In den Ferien, wenn das Haus voll ist, kann ich nicht in die Geschichte eintauchen.

Planst Du ein Buch von Anfang bis Ende durch? Oder gibt es nur einen roten Faden, an dem du entlang schreibst?

Nein, ich weiß eigentlich nur, wo es losgeht und wo es endet. Und unter uns, meine Protagonisten sind ein wenig wie kleine Kinder, die machen, was sie wollen, sagen, was sie wollen, und geben der Geschichte dadurch oft eine ganz andere Richtung als ich erst dachte. Aber ich mag das, auch wenn es ein wenig schräg klingt.

Was machst du wenn du einmal absolut nicht weiterkommst und eine Schreibblockade hast?

Das hatte ich tatsächlich auch schon, dass ich spürte, ich komme mit der Geschichte nicht weiter, oder die Protagonisten entziehen sich. Dann lege ich das Projekt zur Seite und beginne ein Neues. Das hat bisher immer funktioniert. Und wenn ich dann nach Monaten zum ersten Projekt zurückkehre, dann läuft es. Eine richtige Schreibblockade, in der ich gar nicht schreiben konnte, hatte ich zum Glück noch nie.

Hast Du irgendwelche Schreibrituale?

Ja. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, dann schalte ich das Radio aus, zünde eine Kerze an, stelle wahlweise Tee oder Wasser auf den Tisch, und dann geht es los.

Das mit der Kerze stammt übrigens daher, dass ich 2015 im Hochsommer eine Weihnachtsgeschichte schrieb und mich irgendwie in die richtige Stimmung bringen musste. Und seither bin ich dabei geblieben. Ich denke zwischenzeitlich sogar darüber nach, Kerzen als Arbeitsmittel abzusetzen, weil ich echt viele brauche …

Schreibst Du Deine Geschichten nur am Pc oder auch am Tablet? Benutzt Du noch Notizbücher?

Ich schreibe nur an meinem PC. Aber ich habe ein Geschichtenbuch, in dem ich die grobe Handlung jeder Story skizierre. Und die Lebensläufe meiner Protagonisten, ihre Freunde, Vorlieben, Aussehen, Besonderheiten, Zeittafeln und solche Sachen.

Und Ideen zu neuen Geschichten.

Wie bist du auf die Story zu 99 Tage mit Julie überhaupt gekommen?

Ich habe irgendwo eine Notiz gelesen, es ging um ein neues Buch eines Autorenduos. Ich habe überlegt, wie das sein mag, zu zweit zu schreiben, und ob ich mir das vorstellen könnte – und ob sich die beiden wirklich immer so gut verstehen. Ich habe zwei, drei Tage darüber nachgedacht, verschiedene Situationen und Szenarien durchgespielt und dann wusste ich, daraus wird ein neues Buch.

Wie kommst Du auf die Namen deiner Protas?

Das hört sich jetzt wahrscheinlich auch wieder schräg an, aber die Hauptprotagonisten sagen mir, wie sie heißen. Anders ist es mit den Nebenfiguren. Ich schaue oft auf Namensseiten, welche Namen aktuell waren zu der Zeit, als die Personen geboren wurden. Und manchmal nehme ich auch einen Namen als kleiner Tribut an jemanden, den ich sehr schätze oder der mein Leben in irgend einer Form begleitet hat.

Hast Du schon andere Projekte in Planung?

Ja. Ich habe eigentlich immer was in Planung. Ich schreibe gerade an einem neuen Buch, und ich habe auch schon ein tolle Idee für das Übernächste.

Wie fühlt es sich an, sein eigenes Werk als Buch in der Hand zu halten?

Absolut unbeschreiblich. Das allererste Print, das war der Wahnsinn. Und so ist es bis heute. Wenn ich zum ersten Mal das neueste Buch auspacke, habe ich den ganzen Tag ein Grinsen im Gesicht.

Liest Du auch genauso gerne, wie Du selber schreibst? Oder gibt es im Autoren-Alltag keine Zeit zum Lesen?

Ich lese sehr gerne, schon immer. Aber leider habe ich nicht mehr so viel Zeit dazu. Im Moment gehört der Großteil meiner freien Zeit meiner Familie. Aber ich habe immer meinen Kindle in der Tasche, für den Fall, dass ich ein paar freien Minuten habe …

Wenn Du selber gerne liest, was ist Dir allgemein bei einem guten Roman wichtig, worauf legst Du wert?

Ich will in die Geschichte eintauchen können, mit den Figuren hoffen, leiden und bangen. Ich mag Geschichten, die in meiner Nachbarschaft passieren könnten. Und ich muss gestehen, dass ich sehr auf Stil, Wortwitz und Sprache achte. Ich lache gerne beim Lesen, und wenn ich es nicht erwarten kann, dass ich das Ende lese, und dennoch hoffe, dass es nie endet, dann ist das Buch perfekt.

Welches Buch hast du als erstes selbst gelesen?

›Tilli Tulla Firlefanz‹, ein Buch über eine junge Hexe, das in Schreibschrift gedruckt war. Es war ein Geschenk meiner Patentante, und ich habe es heute noch.

Wie sieht bei dir ein typischer Tag aus? Was sind deine Hobbys?

Kurz nach sechs aufstehen, und dann erst mal alle gut in den Tag bringen. Um acht ist das Haus leer, dann setze ich mich an den PC und schreibe. Wenn die Kinder ab eins wieder eintrudeln, schalte ich in den Mama-Modus. Hausaufgaben, Vokabeln abfragen, Haushalt, einkaufen, Termine, im Sommer ins Schwimmbad, was gerade ansteht.

Abends essen wir zusammen, erzählen vom Tag, und ich lese immer noch jeden Abend vor, auch wenn die Kinder inzwischen selbst lesen können. Aber diese halbe Stunde ist einfach eine tolle, sehr persönliche Zeit, die uns alle zusammenhält und sehr wichtig ist. Gerade wenn der Tag nicht so gut lief, bringt uns das zur Ruhe.

Der restliche Abend gehört dann meinem Mann, obwohl ich gestehen muss, dass ich in letzter Zeit auch Abends oft noch ein paar Sachen zu erledigen habe, oder Dinge mit mir rumtrage, die ich mit ihm besprechen will. Als Selfpublisherin schreibe ich ja nicht nur, sondern kümmere mich um alles, Cover, Korrektorat, Buchsatz, Werbung … Er ist mein wichtigster Ratgeber, und dann sitzen wir mit einem Glas Wein zusammen und überlegen, in welche Richtung es gehen soll. Gerade in letzter Zeit habe ich einige interessante Angebote und Anfragen gehabt, und solche Sachen entscheiden wir dann zusammen.

Für Hobbys bleibt im Moment leider nicht so viel Zeit. Lesen, wenn ich dazu komme. Ich versuche ja seit Monaten, mich selbst davon zu überzeugen, dass Putzen und Bügeln mein Hobby sein könnte, aber das ist bisher leider ergebnislos geblieben. Aber wenn ich Zeit hätte: nähen, reisen, öfters schwimmen gehen. Und ab und zu einfach dasitzen und die Wand ansehen …

Hast du Ratschläge für junge Autoren und die, die es werden wollen?

Traut euch! Versucht es, wenn ihr es wirklich wollt. Setzt euch hin und schreibt eine tolle Geschichte, genau die, die ihr immer gerne lesen wolltet. Und dann macht euch mit dem Markt vertraut, den Möglichkeiten, aber auch den Regeln, die dazu gehören, aus einer Geschichte ein Buch zu machen. Es gibt tolle Seiten, auf denen man sehr viel Hilfe und Wissen bekommt. Fragt nach, macht euch schlau. Und dann: wagt es. Ob es ein Erfolg wird, kann euch keiner garantieren. Aber wenn ihr es gar nicht versucht, wird es sicher nichts.

Welchen Weg willst du in Zukunft noch beschreiten?

Ganz ehrlich, keine Ahnung. Vor drei Jahren hätte ich mich auch noch nicht getraut zu sagen, ich will Autorin werden. Vielleicht werde ich irgendwann eine tolle Idee haben, die ein Genrewechsel mit sich bringt. Man entwickelt sich ja auch immer weiter, und ich werde einfach weiterhin meinem Bauchgefühl vertrauen.

Was war der erste Berufswunsch in der Kindheit?

Lehrerin.

Wird man dich im Oktober auf der FBM antreffen?

Ja, ich denke, ich werde dort sein. Aber wo und wann, weiß ich noch nicht.

Was ist dein Traumreiseziel, und wieso?

Schottland. Ich stelle mir das Land einfach wunderschön vor. Auch die englischen Graftschaften, Cornwall oder die Cotswolds, würde ich gerne mal bereisen. Ich habe definitiv einen Hang zum Britischen …

Gibt es etwas, das Du Deinen Lesern und Leserinnen schon immer mal sagen wolltest?

Erst einmal: Danke! Danke, dass ihr meine Geschichten gelesen habt. Danke für jede Rezension, für jede Nachricht, für jede Email. Danke für eure Begeisterung, eure Freude und euer Vertrauen in mich.

Und zweites: Kauft weiter meine Bücher! Nein, war ein Spaß. Glaubt an euch und eure Träume. Wenn ihr eine Chance bekommt, versucht, sie zu verwirklichen. Und verlernt nie, das Gute in einer scheinbar schlechten Situation zu sehen. Als ich anfing zu schreiben, war ich nebenbei auf Arbeitssuche nach der Elternzeit. Und ich musste feststellen, dass ich plötzlich als Arbeitnehmerin nicht mehr attraktiv war, nach der langen Pause, und mit zwei Kindern. Das war keine schöne Erfahrung, aber ich habe die Zeit genutzt, um etwas zu tun, das ich mich nie traute: ein Buch zu schreiben.
Als ich mein erstes Buch hochlud, wünschte ich mir, dass irgend jemand es kaufen und lesen wird. Dass meine Bücher inzwischen in den Top 100 sind macht mich unsagbar stolz. Also, wenn eine Tür zugeht, dann probiert eine andere. Dahinter kann was ganz Tolles sein. Und wenn ihr mal ein Lächeln und eine gute Auszeit braucht: kauft meine Bücher. 😉