Cloud – Wie weit darf Technologie gehen?

Am 10. August 2017 erschien mit „Cloud“ bereits der vierte Roman der deutschen Autorin Claudia Pietschmann. Dies ist bereits das zweite Jugendbuch, das im Arena Verlag veröffentlich wurde.

Cloud
© Arena Verlag

„Cloud“ von Claudia Pietschmann ist eine gelungene Mischung aus spannendem Technologie-Thriller und gefühlvollem Jugendbuch. Es handelt von Emma und Paul, die sich im Internet kennenlernen und schnell Gefühle für einander entwickeln. Mit der Zeit wird diese noch junge Beziehung jedoch zur Geduldsprobe, denn Paul lässt sich einfach auf kein Treffen ein. Gibt es ihn überhaupt?

Kein perfekter Start

Der Einstieg gelingt gut, auch wenn der eigentliche Anfang etwas schleppend verläuft. Zunächst führt uns die Autorin nämlich in das Leben von Protagonistin Emma ein, die erst kürzlich ihren jüngeren Bruder verloren hat. Daraus resultiert nicht nur das Trauma des Verlusts, sondern auch der Umzug in ein SmartHome (ein High-Tech-Haus über Apps steuerbar), sowie die mögliche Trennung ihrer Eltern. Auch ist Emmas Trauer ein zentraler Aspekt der Handlung, der sich bis zum Schluss durchzieht, aber eben zu Anfang ein wenig langatmig wirken kann – zumindest bis zum klassischen Wendepunkt.

Dafür liest sich Claudia Pietschmanns Schreibstil durchweg angenehm. Dieser gestaltet sich eher schlicht, auch die Beschreibungen halten sich in Grenzen, trotzdem kann man sich von allem ein gutes Bild machen. Schade nur, dass Emma nie wirklich beschrieben wird – oder habe ich das vielleicht überlesen? Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive.

Eine verpasste Chance

Da die Kommunikation mit Paul vorrangig übers Chatten verläuft, wird die vorherrschende Romanstruktur eben oft durch Chatverläufe durchbrochen. Das hätte mir nur noch besser gefallen können, wenn diese Stellen passend gestaltet worden wären.

So hat mir generell oft das Moderne gefehlt, immerhin spielt die Technologisierung neben der Trauerbewältigung noch die größte Rolle. So ein typisches SciFi-Feeling wollte sich bei mir aber nie einstellen, was vermutlich sogar so gewollt ist. Allerdings war für mich das Geheimnis um Paul nun auch keine große Überraschung, da ich erst kürzlich ein Buch gelesen habe, das dasselbe Thema behandelt. Das ist natürlich vorrangig mein Problem, aber so fiel mir eben auch auf, dass gerade der ethische Aspekt hier viel zu kurz kommt. Schade!

Info

Titel: Cloud
Autorin: Claudia Pietschmann
Verlag: Arena
Seiten: 368
Preis Print: 15,00 €
Preis Ebook: 11,99 €
ISBN: 978-3401603490

80%
Sehr gutes Jugendbuch

Claudia Pietschmanns "Cloud" ist definitiv ein lesenswertes Jugendbuch, das mit seiner kontroversen Thematik ordentlich Stoff zum Nachdenken und Diskutieren bietet. Ich hätte mir zwar gewünscht, dass hier im Punkto Ethik und Moral mehr ins Detail gegangen worden wäre, aber das kann man als Leser über das Buch hinaus natürlich immer noch für sich selbst ausmachen. Der Plot an sich bietet gute Unterhaltung und vor allem authentisch anstrengende Jugendliche. So konnte ich mit den Charakteren nicht immer etwas anfangen, die Zielgruppe dafür bestimmt umso mehr. Alles in allem ist es ein Buch, das mir trotz kleinerer Schwächen sehr gefallen hat!

  • Story
  • Charaktere