Interview mit Julia Dippel

Heute kommt die Blogtour zu Julia Dippels Izara – Stille Wasser leider schon zu einem Ende. Dabei könnte man von dieser Buchreihe stundenlang berichten und schwärmen…

© Design: Julia Dippel © Cover: Thienemann-Esslinger Verlag

Um Euch noch einen letzten Einblick zu gewähren, haben die liebe Julia Dippel und ich uns zusammengesetzt und daraus entstand ein hoffentlich spannendes Interview für Euch. Solltet Ihr nun aber erst zu dieser Tour dazu stoßen, rate ich Euch, auch noch all den anderen Stationen einen Besuch abzustatten. So könnt Ihr zum Beispiel erfahren, was den Teufel so sympathisch macht 😉

Im Gespräch mit Julia Dippel

Hallo, Julia. Erst einmal danke, dass Du Dir die Zeit für mich genommen hast. Ich starte meine Interviews gerne mit ein paar Eckdaten zur Person. Magst Du uns also ein bisschen etwas über Dich erzählen?

Ich bin ein Münchner Kindl, Jahrgang 84 und eigentlich Regisseurin für Theater und Musiktheater, allerdings habe ich auch ein Diplom in Veranstaltungsmanagement. Ich bin seit fast 12 Jahren glücklich nicht verheiratet und bin froh, dass mein Lebensgefährte ein genauso verrücktes Berufsleben hat wie ich. Das Geschichten-Erzählen in jeglicher Form ist meine große Leidenschaft. Knapp dahinter kommt die Musik (Ich singe in verschiedenen Bandkonstellationen vom akustischen Trio bis zur Bigband).

Literatur und Theater gehen oft Hand in Hand – war für Dich von Anfang an klar, dass Du irgendwann auch mal ein Buch statt eines Stückes schreiben würdest?

Ich habe so ziemlich nichts in meinem Leben geplant, sondern einfach gemacht und Gelegenheiten genutzt. Es war Zufall – oder Schicksal – dass ich zum Theater gekommen bin. Parallel hab ich schon immer taggeträumt und versucht die Geschichten festzuhalten. Als dann im Theater passende Stücke gefehlt haben, hab ich sie einfach geschrieben. ABER ich schreibe nur Stücke, die ich auch selbst inszeniere. Die Geschichten in meinem Kopf sind immer komplett (also Dialoge plus Setting und Personenführung). Es reizt mich wenig Texte zu schreiben, die ein anderer Regisseur dann bebildert.

Wie unterscheidet sich der Schreibprozess beim Roman im Vergleich zum Theaterstück?

Lustigerweise kaum. Vielleicht ist das ein Tick von mir, aber ich beginne bei einem Roman so, als wäre er ein Theaterstück. Ich schreibe erst alles Dialoge und inszeniere sie dann quasi in Worten in einem zweiten Durchgang.

Könntest Du Dir vorstellen, „Izara“ in irgendeiner Form zu inszenieren?

Klar, wenn das Budget passt. Das ist nämlich der große Vorteil am Roman-Schreiben. Hier sind meiner Fantasie keine (finanziellen und physikalischen) Grenzen gesetzt. Als Regisseurin muss man sich immer innerhalb einer Kalkulation und innerhalb des Machbaren bewegen. „Er löste sich in glühende Asche auf“ ist beispielsweise schnell geschrieben, aber nur sehr schwer (oder teuer) auf einer Bühne umgesetzt. Im Film ist das wieder etwas anderes, aber auch hier wären meine Ansprüche sehr hoch. Und eine schlechte Verfilmung würde mir das Herz zerreißen.

Kommen wir nun zum Buch selbst: was mir besonders gut an Deiner Romantasy-Reihe gefällt, ist der Aspekt, dass Du Dich trotz jugendlicher Altersempfehlung nicht an die unausgesprochenen Regeln des Jugendbuchs hältst. So ist Deine Protagonistin zwar einzigartig und mächtig, aber eben nicht ALLmächtig. Der obligatorische Bad Boy hat tatsächlich einen Charakter und – Spoilerwarnung – Heldin und böser Bub haben tatsächlich Sex. Ja, in der Romantasy gehört das eigentlich dazu, bei einem Jugendbuch aber meist eher weniger – und wenn dann nicht im ersten Buch. Hast Du ganz bewusst mit diesen Klischees gebrochen?

Ja. Ich finde zudem auch schwierig, dass man Lucian einen Bad Boy nennt. Für mich ist er das nämlich gar nicht. Er ist einfach Lucian. Und bei Ari geht es mir nicht darum, was sie kann, sondern wie sie damit klarkommt. Was den Sex anbelangt … in meinem Empfinden sollen sich Jugendliche in Jugendbüchern wiedererkennen. Der pädagogische Zeigefinger in vielen Jugendbüchern bringt mich oft nur zum Augenrollen, weil viele Protas so agieren, wie Erwachsene denken, dass Jugendliche agieren könnten oder sollten. Natürlich sollte man keine falschen/schlechten Vorbilder erschaffen, aber das „Warten aufs erste Mal“ nur um des Wartens willen ist doch die falsche Botschaft. Ich möchte Jugendlichen mitgeben, dass sie sich sicher sein sollen, wenn sie diese Entscheidung treffen. Aus diesem Grund habe ich Ari auch ihre Vorgeschichte gegeben, um den Kontrast deutlicher zu machen.

Wie stehst Du selbst zum Thema Klischees und Stereotype? Bist Du auch der Meinung, dass sich Bücher ohne gar nicht verkaufen lassen? Nicht, dass etwas dagegen spricht, dass Autoren auch wirtschaftlich denken 😉

Ich glaube, dass viele Leser/innen an gewissen Figurenkonstellationen hängen. Sie haben ein Lieblingsbuch, aber die Geschichte ist längst abgeschlossen. Und dann suchen sie eben nach ähnlichen Büchern. Deshalb ist es sicherlich populärer, Stereotype zu verwenden. Das ist aber kein neues Phänomen …
Ich würde aber nie etwas schreiben, weil es sich besser verkaufen lässt, sondern nur, weil ich selbst aktuell genau diese Geschichte lesen wollen würde. Ich wollte einen Lucian schreiben – für mich, und nicht für die Verkaufszahlen. In einem nächsten Projekt wird das vielleicht anders, vielleicht aber auch nicht. Mal sehen, worauf ich dann Lust hab.

Oft lese oder höre ich, wie Blogger, Kritiker oder Rezensenten über Stereotype und Klischee diskutieren und muss schmunzeln, weil sie damit ihr eigenes Klischee bestätigen. In meinem Job gehört es dazu, täglich Menschen zu beobachten und zu analysieren und kann deshalb sagen, dass Stereotype und Klischees allgegenwärtig sind. Individuell werden wir nur durch verschiedenen Background, Kombinationen von Mustern, etc. Und genau das versuche ich bei meinen Charakteren auch umzusetzen. Es ist ein bisschen wie mit einer Backform. Leer verwendet kommen platte Stereotype raus. Füllt man sie aber richtig und individuell kommt etwas Spannendes raus.

Nun ist ja bereits der zweite Band rund um Ari und ihre Freunde erschienen. Wie fühlst Du Dich damit? War es etwas anderes, ein zweites Buch auf den Markt zu bringen?

Es ist immer schwieriger, Erwartungen zu erfüllen, als aus dem Nichts heraus zu überraschen. Deshalb war ich sehr nervös. Ganz besonders, weil zweite Bände immer einen schweren Stand haben.

Wie geht es nun weiter? Sind weitere Bände geplant oder gar ganz neue Projekte?

Izara wird aus insgesamt vier Bänden bestehen, und ja, auch andere Ideen spuken in meinem Kopf herum 🙂

Abschließen würde ich das Interview gerne mit ein paar Spaßfragen. Wenn Du eine berühmte Persönlichkeit – egal ob lebendig oder tot – treffen dürftest: Wer wäre es und warum?

Tolkien, weil ich ihn gerne fragen würde, was er zur Verfilmung seiner Werke zu sagen hat.

Für welche drei Dinge in Deinem Leben bist Du am dankbarsten?

Für die Menschen, die mich lieben, wie ich bin. Für einen Beruf, der mich erfüllt und für den ich brenne. Und für alle Erfahrungen, die mich, meinen Verstand und mein Herz geprägt haben.

Wenn Du eine Sache auf der Welt verändern dürftest: Was wäre das?

Ich würde gerne jedem Menschen das Gefühl ermöglich, gebraucht und geliebt zu werden. Damit würden sich nämlich viele andere Probleme von alleine lösen.

Wenn Du ein Lebensmittel wärest: Welches wäre es?

Definitiv eine Nudel – eine verrückte …

Auf welche Frage hattest Du in letzter Zeit keine Antwort und hast Du sie finden können?

Wie ich mein Leben umstrukturiere, um für alle meine Projekte Zeit zu finden. Die Antwort lässt noch auf sich warten.

Wie oft schaust Du täglich auf Dein Handy?

Zu oft. Und wenn ich’s nicht tue, bereue ich es am Abend, weil drölf Millionen Nachrichten (beruflich und privat) beantwortet werden wollen.

Welchen Beruf haben sich Deine Eltern für Dich vorgestellt?

Was mit Ansehen und sicherem Einkommen 😉 Sie haben sich immer viele Sorgen gemacht, aber meiner künstlerischen Laufbahn nie in den Weg gestellt.

Wenn Dein Leben verfilmt würde: Welcher Schauspieler würde Dich spielen?

Haha, ich glaube ich würde Melissa McCarthy besetzen.

Wenn Du Dir ein Land aussuchen könntest: In welchem würdest Du gerne leben?

Puh, schwere Frage. Es gibt so viele. Aber eines haben sie gemeinsam: eine felsige Meeresküste.

Wofür würdest Du mitten in der Nacht aufstehen?

Ich bin mitten in der Nacht meistens noch wach 😉

Welche Musik würde bei Deinem Einzug in Dein eigenes Box Match laufen?

The Show must go on

Was würdest Du heute/ jetzt studieren, wenn Du die Möglichkeit dazu hätten?

Biopsychologie und Linguistik

Das Gewinnspiel

Wir haben mit dem Gewinnspiel nicht zu tun. Das Gewinnspiel wird in Kooperation mit der Autorin, Julia Dippel, von Julia K. vom Büchersalat veranstaltet. Was es zu gewinnen gibt, wie Ihr teilnehmen könnt und alle weiteren Informationen findet Ihr *HIER.

Damit ihr keine Station der Tour verpasst, gibt es *HIER den kompletten Tourplan für euch.

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